Das Thema: Burnout!Laster der Modernevon Prof. Dr. Michael Sadre Chirazi-Stark Soziologen haben für den biographischen Abschnitt zwischen dem Ende der Ausbildung und der Lebensmitte eine griffige Bezeichnung gefunden: Rushhour des Lebens. Alles drängt sich hier zusammen, vor allem Familiengründung, Kinderbetreuung und Berufseinstieg, dazu häufig der Erwerb eines Eigenheims und die Sorge um alt gewordene Eltern. Die Tücke dieser Lebensphase: eigentlich Unvereinbares muss vereint werden.
Der deutschstämmige Psychoanalytiker Herbert Freudenberger prägte 1974 in einem Aufsatz einen Begriff, der in den USA in kürzester Zeit populär wurde: "Burnout". Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Arbeitsmüdigkeit, sondern um einen Zustand, der mit wechselhaften Gefühlen der Erschöpfung und Anspannung verbunden (Bauer et al., 2003).
"Burnout" Der Begriff Burn-out hat etwas, das die klassische psychiatrische Diagnosennomenklatur nicht vorhält, in der er als Diagnose nicht existiert. Dort spricht man von einer ‚Anpassungsstörung’, ‚Belastungsstörung’ oder ‚depressiven Störung’; aber in dieser Terminologie hat immer der Patient Schuld - er ist ‚gestört’. Burnout dagegen vermittelt das Gefühl, seine Ursache seien die Umstände, er klingt nach kollektivem Schicksals (Weber & Jackel-Reinhard, 2000, Reime & Steiner, 2001). Das entlastet...
Prof. Dr. Michael Sadre Chirazi-Stark ist Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Asklepios Westklinikum Hamburg. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Krankheitsprävention, Schizophreniebehandlung und Disease-Management.
|