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Wasser in Tunesien

Hyrdogeologen helfen

von Jochen, Mitglied seit Februar 2008

Image Von Anfang.1967 bis Ende 1970 war ich im Auftrag und für Rechnung der Bundesregierung, Ministerium für Technische Zusammenarbeit, als Hyrdogeologe in der Entwicklungshilfe tätig. Zunächst musste ich die Besonderheiten der Entwicklungsländer, der Sprache und Kultur,

 

 und speziell unsere Aufgaben im Einsatzland kennenlernen. Ich sollte in der Direktion "H.E.R" (Hydraulique et Recherche Rural) des Landwirtschaftsministeriums in der Ebene von Kairouan eine Grundwasserstudie erstellen und Grundwasserbohrungen betreuen.

 

Dazu mußten die Grundwasserhorizonte und deren Ergiebigkeit mit Hilfe von Grundwasserpegeln und Dauerpumpversuchen in vorhandenen Brunnen festgestellt und berechnet werden. Das dazu nötige Material bestellten wir in Deutschland.

 

ImageMein tunesischer Homologe Dr. Besbes hatte eine Bohrung bei Ez Zebara im westlichen Teil der Ebene angeordnet, die von uns gemeinsam überwacht wurde. Eines Tages wurde ich gebeten, zur Bohrstelle zu fahren und zu entscheiden, ob in einer Bohrtiefe von rd. 250 m weiter gebohrt oder die Bohrung abgebrochen werden sollte.Nachdem ich die Situation an Hand von geologischen Karten eingehend studiert hatte, fuhr ich mit meinem VW zur Baustelle.

 

Bohrung sofort abrechen?

Dort stellte ich fest, daß bereits 250 m durch Mergel hindurchgebohrt wurde. Das veranlaßte mich, die Bohrung sofort abzubrechen. Ich nahm den Bohrmeister, einen Tunesier, mit und führte ihn 1000 m weiter einen flachen Hang hinauf. Dort, sagte ich ihm, solle er eine neue Bohrung anlegen. Der schaute mich ungläubig an und meinte: hier oben? Ich schob meine eigenen Zweifel beiseite und bestätigte fest : "Oui."  Ich hatte festgestellt, daß in den geologischen Karten hinter einer Verwerfung hier die gesuchte Synklinale liegen müsse, in der in einiger Tiefe sandige und kiesige Schichten vermutet wurden.

 

Wir hatten Glück. In 50 m Tiefe schon erbohrte man an der neuen Bohrstelle kiesigen Sand, den ich nun mit deutschen Filterrohren erschließen und gemäß DIN vorschriftsmäßig mit Kies von 4-6 mm ummanteln ließ. Bei der Überwachung des Kieseinbaus erlebte ich eine neue Überraschung. Der tunesische Bohrmeister wollte den Kies, so wie er ungesiebt angeliefert war, einbauen. Da mußte ich ihm erst einmal klarmachen, was die Bezeichnung "Kies 4-6 mm" bedeutete - eine Bezeichnung, die mein Kollege Besbes schon mehrfach verwendet, aber noch niemals überwacht hatte. Ich ließ zwei Siebe von 4 und 6 mm übereinander halten und Kies von oben auf das grobmaschige Sieb füllen. Der Rest, der darunter auf dem feinmaschigeren Sieb liegen geblieben war, sollte verwendet werden.

 

Der Bohrmeister schaute mich wieder verwundert an. Dann reiche der Kies ja gar nicht aus ! So war es, er mußte gegen genau dosierten Kies von 4 - 6 mm ausgetauscht werden. Als das nach angemessener Zeit gelungen war, hatte sich diese Entscheidung dann sehr gelohnt; denn - siehe da - als die Bohrung fertig und mit KSB-Unterwasserpumpen ausgestattet war, kam ein dicker Wasserstrahl aus der Tiefe.

 

Man stelle sich vor: da war nur ein Bohrloch, in das ein schwarzes Kabel hineinführte. Die Elektrizität für die Unterwasserpumpe wurde von einem fahrbaren Generator direkt neben der Bohrstelle erzeugt, der wenig Lärm machte.

 

Und dann kam aus diesem Bohrloch Wasser !

 

Für die Beduinen, die nach und nach herbeiströmten, muß dies wie ein Wunder gewirkt haben. Sie brachten bald auch ihr Vieh hierher, das sich endlich satttrinken konnte, brachten ihre Wäsche zum Waschen, gruben Rinnen zur Bewässerung ihrer völlig brachliegenden Felder und säten Getreide. Ich führte einen Dauerpumpversuch über 6 Tage durch und übernachtete in meinem VW-Campingwagen, um die optimale Wassermenge zu bestimmen.

Am Generator konnte ich mich elektrisch rasieren. Meine tunesischen Techniker (Adjoints Techniques) machten neben den erforderlichen Messungen einige Spielchen, die ich in einem Film festgehalten habe. So versuchte einer, einen Esel zu besteigen und wurde prompt abgeworfen - was ich natürlich filmte. Das wollte er aber nicht, bestieg den Esel erneut und bedeutete mir nun, zu filmen.

Nach 6 Tagen (und Nächten) wurde es  rundherum grün ! Das war ein unglaubliches Erlebnis, ich war wirklich ein wenig stolz und glücklich.

 

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